Idomeni – Die Katastrophe der EU-Flüchtlingspolitik

Artikel in Lernen aus der Geschichte Magazin vom 22. März 2016:

Nach und nach ziehen die Reporter_innen aus Idomeni ab, und so verblassen die Bilder der unerträglichen Zustände dort für den größten Teil der internationalen Öffentlichkeit. Ab dem Zeitpunkt, an dem sich die Elendsbilder zu wiederholen scheinen, werden sie für die Presse irrelevant. Für die Menschen vor Ort bleiben die Realitäten fatal – dazu gehören die konkreten Umstände ebenso wie die Neuigkeiten über politische Entscheidungen auf EU-Ebene. Das zentrale Problem der über 10.000 Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze und der ca. 48.000 in Griechenland festsitzenden ist jedoch schlichtweg, nicht weiter reisen zu können. Bisher ist ihr Wunsch, Zuflucht in Europa zu finden mit Zäunen, Schlägen, Tritten, Stempeln und bürokratischer Verwaltung, unterlassender Hilfeleistung in einer humanitären Katastrophe und neuen Verschärfungen im Asylrecht beantwortet worden. Continue reading

Sturm auf die Grenze gescheitert

Artikel in Neues Deutschland vom 16.3.2016:

von Johannes Spohr, Idomeni

Bis Dienstagnachmittag sind die meisten der Geflüchteten, die sich am Montag auf eigene Faust über die griechisch-mazedonische Grenze aufgemacht haben, ins Camp in Idomeni zurückgekehrt. Die mazedonische Polizei brachte sie bis zur Grenze, von dort aus liefen sie zu Fuß. Viele von ihnen berichten von Gewalt der mazedonischen Soldaten und Polizisten, vor allem von Tritten und Schlägen. Diese konnte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, nachdem rund 70 Journalisten und Unterstützer der Geflüchteten festgenommen worden waren. Continue reading

Schlammschlacht um Asyl

Artikel in Neues Deutschland vom 12.3.2016:

Während Idomeni im Schlamm versinkt, erreicht die Stimmung dort immer neue Tiefpunkte. Eine Lösung scheint fern.

Es ist nur eine minimale Atempause, die die Menschen im Zeltlager Idomeni durch den Sonnenschein nutzen können. Nach tagelangen starken Regenfällen hatte sich das Feld im Schlamm aufgelöst. Viele Zelte füllten sich mit Wasser, die Wege waren kaum noch passierbar. „Die Menschen sitzen regelrecht auf dem offenem Feld“, kommentiert dies eine Unterstützerin, die Plastiktüten verteilt. Continue reading

Versunken im flüchtlingspolitischen Morast

Artikel in Neues Deutschland vom 9.3.2016:

Nach dem EU-Türkei-Gipfel warten die Flüchtlinge in Idomeni vergeblich darauf, weiterreisen zu können

Johannes Spohr, Idomeni (mit dpa)

Sie trotzen Unwetter, Schlamm und Staub. Die Geflüchteten an der Grenze zu Mazedonien hoffen immer noch auf ein Weiterkommen auf der Balkanroute.

Symbolträchtiger hätte das Wetter an der griechisch-mazedonischen Grenze nicht sein können: Über die zu Tausenden gestrandeten Flüchtlinge in Idomeni brach am Montag sintflutartiger Regen herein. Während die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten und der Türkei in Brüssel verhandelten, durchweichten Wassermassen die Zeltlager auf Wiesen und Feldern. Und bereits für diesen Mittwoch sind weitere Schauer angekündigt. Continue reading

An der Grenze #2

Im griechischen Idomeni richten sich Geflüchtete und Unterstützer_innen mittlerweile auf eine längerfristige Krisensituation ein. Niemand kann momentan verlässliche Angaben darüber machen, wie viele Menschen inzwischen hier gestrandet sind. Schätzungen zufolge sind es etwa 17 000, die sich in zwei neu errichteten Militärcamps und größtenteils im Camp direkt am Grenzzaum befinden. Continue reading

Herz und Hass

Artikel in der Jungle World vom 5.3.2015:

Raucherecke von Johannes Spohr

Der Lichtblick ist eigentlich Dresdens Sache nicht. Doch es gibt Momente, in denen man hoffen kann, die Dinge würden nicht nur schlechter. Während 400 Anhänger des britischen Pegida-Ablegers in Newcastle eine Niederlage erleiden, demonstrieren etwa 4000 Menschen unter dem Motto »Refugees welcome« in Sachsens Landeshauptstadt. Continue reading

“Nichts und Niemand vergessen”

Pegida, NSU, rassistische Mobilisierungen gegen Flüchtlingsunterkünfte, staatliche Flüchtling- und Asylpolitik, der Mord an Khaled Bahray in Dresden. Es mangelt nicht an aktuellen Bezugspunkten, die sich mit dem Gedenken an den Brandanschlag vom 18. Januar 1996 in Lübeck verbinden lassen. Etwa 4500 Menschen unterschiedlicher politischer Spektren gingen daher am Samstag unter dem Motto „refugees welcome“ dort auf die Straße. Continue reading

Geheim und „freiwillig“ – Abschiebungen in den Sudan

Blogbeitrag für wem gehört die welt?

Abgeschoben: 1000 Menschen wurden von den israelischen Behörden in den vergangenen Monaten heimlich in den Sudan gebracht, gab die Tageszeitung Haaretz am 26. Februar bekannt. Die Abschiebungen, so die Haaretz, wurden ohne das Wissen des UN-Flüchtlings-Kommissariats durchgeführt. Die Nachricht wirft ein weiteres Schlaglicht auf die Entwicklungen der Migrations- und Flüchtlingspolitik der israelischen Regierung in den vergangenen Jahren. Continue reading