Eine Utopie für die Gesundheitsversorgung

In einem Kiez-Gesundheits-Zentrum wollen Berliner Kollektivist_innen die Gesundheitsversorgung politisieren

veröffentlicht in analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 617 / 21.6.2016

Eine sehr lebendige Auftaktveranstaltung zur Idee eines geplanten Kiez-Gesundheits-Zentrums hat das Gesundheitskollektiv Berlin am 26. April 2016 erlebt. Etwa 150 Menschen waren der Einladung der Gruppe in das Jugendzentrum Manege im Berliner Stadtteil Neukölln gefolgt. Als Einstieg in ihre Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt hatten die Kollektivist_innen das Motto »Recht auf Stadt, Recht auf Gesundheit« gewählt und damit direkt auf den gesellschaftspolitischen Zusammenhang verwiesen, in dem sie die Idee des Zentrums ansiedeln: Bei Gesundheit handelt es sich um mehr als medizinische Versorgung – entscheidend sind die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen wir leben, politische und soziale Faktoren wie Mietsteigerungen, geringes Einkommen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Rassismus und Alltagsarmut. Continue reading

Ein Jahr im Auftrieb

Die Gefangengengewerkschaft/ Bundesweite Organisation (GG/BO) feiert in diesen Tagen ihr einjähriges Bestehen (siehe Artikel zur Gründung).

Aktuell gehören der Initiative eigenen Aussagen zufolge bereits 700 Mitglieder in 50 Haftanstalten der Bundesrepublik an. In 16 Gefängnissen bestehen aktive Sektionen mit jeweiligen Sprechern der selbstorganisierten Gewerkschaftsinitiative. Ziel sei es, so die GG/BO in einer Pressemitteilung, “Räume für ein kollegiales, solidarisches und emanzipatorisches Verständnis unter den Inhaftierten über die Auseinandersetzung ihrer sozial- und arbeitsrechtlichen Diskriminierung zu öffnen”. Zu ihren Kernforderungen gehört die Sozialversicherungspflicht für Beschäftigte und ihre Einbeziehung in den gesetzlichen Mindestlohn. „Wir haben“, so der GG/BO-Sprecher, Oliver Rast, „offensichtlich mehrere Brennpunkte des bundesrepublikanischen Strafvollzugs getroffen: wir haben vor allem die soziale Frage hinter Schloß & Riegel aufgeworfen, die nun zu einem öffentlichen Streitfall geworden ist.“ Continue reading

Herz und Hass

Artikel in der Jungle World vom 5.3.2015:

Raucherecke von Johannes Spohr

Der Lichtblick ist eigentlich Dresdens Sache nicht. Doch es gibt Momente, in denen man hoffen kann, die Dinge würden nicht nur schlechter. Während 400 Anhänger des britischen Pegida-Ablegers in Newcastle eine Niederlage erleiden, demonstrieren etwa 4000 Menschen unter dem Motto »Refugees welcome« in Sachsens Landeshauptstadt. Continue reading

Ayotzinapa schmerzt

Ayotzinapa schmerzt

Offener Brief an die Zivilgesellschaft in Mexiko und in der Welt

von Kollektiv der Kulturarbeiter_innen in Mexico

Einen Monat nach dem Massaker und den gewaltsamen Verschwindenlassen der Studierenden in Iguala, Guerrero, empfinden wir weiterhin Schmerz für unsere Toten; wir vermissen jene, die uns genommen wurden und die sie uns zurückbringen müssen. Sie sind präsent und allgegenwärtig in diesem Land. Ebenso empfinden wir Schmerz für all jene Frauen, Männer, Jungen und Alten die verfolgt und gewaltsam verschwunden wurden, bedroht und vergewaltigt von der Politik des Todes des Narcostaates.

Continue reading

Bewusstseinsperipherie #1

Kurz gemeldet am Stück

Bereits Ende Mai nahm sich der Inhaftierte Peter John in der JVA Tegel das Leben. Sprecher der Insassenvertretung und der Gesamtverwahrtenvertretung äußerten sich nun mit diesem Bericht dazu. Die Verfasser gehen vor allem auf die „Sonderbehandlung“ ein, der John seit langer Zeit seitens der Anstalt ausgesetzt war. 2012 kam es zu einem Skandal, nachdem die Redaktion der Gefangenenzeitung der Lichtblick öffentlich gemacht hatte, er sei auf der Sonderstation B1 bei reduzierter Nahrung gehalten worden. Continue reading

„Verheerende Bilanz“

Ein Interview mit Miklós Klaus Rózsa über Antisemitismus in der Linken

Erschienen am 29.3.2014 auf rosalux.de

Miklós Klaus Rózsa wurde 1954 in Ungarn geboren. Seine jüdischen Eltern flohen im Zuge des Volksaufstandes 1956 mit ihm in die Schweiz. Sowohl als Fotojournalist wie auch als linker Aktivist erlebte Rózsa immer wieder Polizeigewalt, die ihn letztlich dazu bewog, nach Ungarn zurück zu gehen. Auch der Antisemitismus der Linken in der Schweiz beunruhigte ihn. Rózsa lebt heute in Budapest. Im Januar 2014 erschien das ihn porträtierende Künstlerbuch Miklós Klaus Rózsa. Continue reading

Überschaubares Gedenken

Artikel in der Jungle World vom 14.11.2013:

Beim »Radnóti-Marsch« am 9. November in Budapest wird der Opfer der National­sozialisten in Ungarn gedacht. Trotz antifaschistischer Unterstützung aus Deutschland kamen dieses Jahr nur Wenige dorthin.

von Johannes Spohr

In den vergangenen Wochen haben Faschisten und ihre Gegner in Ungarn mehrfach die Aufmerksamkeit deutscher Medien auf sich gezogen. Nur einige Tage bevor Angehörige der neonazistischen Partei Chrysi Avgi in Griechenland am 1. November erschossen wurden (Seite 12), entstand in Ungarn ein Ableger, die »Ungarische Morgendämmerung«. Continue reading

19 Kilometer antifaschistisches Budapest

Am 9. November führten antifaschistische Gruppen zum fünften Mal den »Radnóti-Marsch« in Budapest durch. Sie erinnern damit am Internationalen Tag gegen Faschismus und Antisemitismus, der gleichzeitig der mutmaßliche Todestag des 1944 von den Nationalsozialisten ermordeten ungarischen Dichters Miklós Radnóti ist, an die Taten der Nazis, ihre Opfer sowie den antifaschistischen Widerstand.

Abschlusskundgebung des Radnóti-Marsches am 9. November in Budapest. Foto: Klaus Rozsa, photoscene.ch

Ein Bericht dazu erscheint am kommenden Donnerstag in der Jungle World.