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»Die Ukraine 1943/44: loyalitäten und Gewalt im Kontext der Kriegswende«

Johannes Spohr untersucht derzeit im Rahmen eines Promotionsprojektes an der Universität Hamburg die Spezifika des Rückzugs der deutschen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg, eine bisher wenig erforschte Phase des Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion. Eine angemessene Annäherung an diese komplexe Situation kann nur durch ein multiperspektivisches Verfahren gelingen. Einbezogen werden Quellen unterschiedlicher AkteurInnen und Provenienz, unter ihnen diejenigen selten beachteter Betroffener nationalsozialistischer Gewalt. Interaktionen zwischen und Dynamiken unter diesen Akteursgruppen werden ebenso beschrieben wie ideologische, institutionelle und situative Faktoren ihrer Entscheidungsfindung. Im Mittelpunkt steht dabei das Gebiet, das die Nationalsozialisten zum Generalbezirk Shitomir im Reichskommissariat Ukraine erklärten und das heute etwa die Oblaste Žytomyr und Vinnycja umfasst. Die dort Interviewten gehören zu den letzten ZeitzeugInnen der Ukraine unter deutscher Besatzung.

2021 erscheint das zugehörige Buch im Metropol-Verlag (Titel: »Die Ukraine 1943/44. Loyalitäten und Gewalt im Kontext der Kriegswende«).

Die Frage der Vergegenwärtigung der untersuchten Formen von Massengewalt in der Bundesrepublik seit 1989 wurde in diesem Text erörtert:

Die Ukraine 1943/44. Nationalsozialistische Gewalt und ihre Vergegenwärtigung in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit, in: Alexandra Klei/Katrin Stoll (Hrsg.): Leerstelle(n)?
Der deutsche Vernichtungskrieg 1941–1944 und die Vergegenwärtigungen des Geschehens nach 1989, Berlin 2019.