»Nationalsozialistische Täterschaften«: Veranstaltungen

Im September und Oktober folgen zwei Veranstaltungen zum Sammelband »Nationalsozialistische Täterschaften« sowie der Begleit-DVD:

Donnerstag, 15. September 2016, 19:00 Uhrin der Topographie des Terrors in Berlin (Ankündigung als PDF).

Sonntag, 9. Oktober 2016 im Abaton-Kino in Hamburg (Ankündigung als PDF).

Eine Utopie für die Gesundheitsversorgung

In einem Kiez-Gesundheits-Zentrum wollen Berliner Kollektivist_innen die Gesundheitsversorgung politisieren

veröffentlicht in analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 617 / 21.6.2016

Eine sehr lebendige Auftaktveranstaltung zur Idee eines geplanten Kiez-Gesundheits-Zentrums hat das Gesundheitskollektiv Berlin am 26. April 2016 erlebt. Etwa 150 Menschen waren der Einladung der Gruppe in das Jugendzentrum Manege im Berliner Stadtteil Neukölln gefolgt. Als Einstieg in ihre Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt hatten die Kollektivist_innen das Motto »Recht auf Stadt, Recht auf Gesundheit« gewählt und damit direkt auf den gesellschaftspolitischen Zusammenhang verwiesen, in dem sie die Idee des Zentrums ansiedeln: Bei Gesundheit handelt es sich um mehr als medizinische Versorgung – entscheidend sind die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen wir leben, politische und soziale Faktoren wie Mietsteigerungen, geringes Einkommen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Rassismus und Alltagsarmut. Continue reading

»Nur wer sich erinnert, kann sich emanzipieren.«

Interview zu familienbiografischen NS-Recherchen und Öffentlichkeit auf dem Blog Reflections on Family History Affected by Nazi Crimes:

 

Der Historiker Johannes Spohr, Enkel eines Wehrmachtsoffiziers, und andere Nachkommen von NS-Täter_innen lesen im Rahmen der Präsentation des Sammelbands „Nationalsozialistische Täterschaften. Nachwirkungen in Gesellschaft und Familie“ am 5. April 2016 aus ihren Beiträgen vor und sprechen mit dem Herausgeber Dr. Oliver von Wrochem über ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte.*

In seinem Beitrag „Ball gegen die Auffahrt“ beschreibt Johannes Spohr die Recherche über die Taten seines Großvaters, heftige Widerstände in seiner Familie gegen seine Nachforschungen und die Erkenntnis, dass zwar manche Fragen unbeantwortet bleiben, aber dass er sich sicher sein kann, dass sein Großvater zumindest ein Opportunist gewesen ist. Continue reading

Skandal: Normalität #4

 

“Aber lasst euch doch mindestens reizen, verschanzt euch nicht, sagt nicht von vornherein, das gehe euch nichts an oder es gehe euch nur innerhalb eine festgelegten mit Zirkel und Lineal säuberlich abgegrenzten Rahmens an, ihr hättet ja schon die Photographien mit den Leichenhaufen ausgestanden und euer Pensum an Mitschuld und Mitleid absolviert. Werdet streitsüchtig, sucht die Auseinandersetzung.”

Ruth Klüger, weiter leben, S. 141.

 

Einige Neuigkeiten zur Diskussion um die NS-Vergangenheit von Rudolf Spohr in Nordenham: Continue reading

Idomeni – Die Katastrophe der EU-Flüchtlingspolitik

Artikel in Lernen aus der Geschichte Magazin vom 22. März 2016:

Nach und nach ziehen die Reporter_innen aus Idomeni ab, und so verblassen die Bilder der unerträglichen Zustände dort für den größten Teil der internationalen Öffentlichkeit. Ab dem Zeitpunkt, an dem sich die Elendsbilder zu wiederholen scheinen, werden sie für die Presse irrelevant. Für die Menschen vor Ort bleiben die Realitäten fatal – dazu gehören die konkreten Umstände ebenso wie die Neuigkeiten über politische Entscheidungen auf EU-Ebene. Das zentrale Problem der über 10.000 Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze und der ca. 48.000 in Griechenland festsitzenden ist jedoch schlichtweg, nicht weiter reisen zu können. Bisher ist ihr Wunsch, Zuflucht in Europa zu finden mit Zäunen, Schlägen, Tritten, Stempeln und bürokratischer Verwaltung, unterlassender Hilfeleistung in einer humanitären Katastrophe und neuen Verschärfungen im Asylrecht beantwortet worden. Continue reading

Sturm auf die Grenze gescheitert

Artikel in Neues Deutschland vom 16.3.2016:

von Johannes Spohr, Idomeni

Bis Dienstagnachmittag sind die meisten der Geflüchteten, die sich am Montag auf eigene Faust über die griechisch-mazedonische Grenze aufgemacht haben, ins Camp in Idomeni zurückgekehrt. Die mazedonische Polizei brachte sie bis zur Grenze, von dort aus liefen sie zu Fuß. Viele von ihnen berichten von Gewalt der mazedonischen Soldaten und Polizisten, vor allem von Tritten und Schlägen. Diese konnte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, nachdem rund 70 Journalisten und Unterstützer der Geflüchteten festgenommen worden waren. Continue reading

Schlammschlacht um Asyl

Artikel in Neues Deutschland vom 12.3.2016:

Während Idomeni im Schlamm versinkt, erreicht die Stimmung dort immer neue Tiefpunkte. Eine Lösung scheint fern.

Es ist nur eine minimale Atempause, die die Menschen im Zeltlager Idomeni durch den Sonnenschein nutzen können. Nach tagelangen starken Regenfällen hatte sich das Feld im Schlamm aufgelöst. Viele Zelte füllten sich mit Wasser, die Wege waren kaum noch passierbar. „Die Menschen sitzen regelrecht auf dem offenem Feld“, kommentiert dies eine Unterstützerin, die Plastiktüten verteilt. Continue reading

Versunken im flüchtlingspolitischen Morast

Artikel in Neues Deutschland vom 9.3.2016:

Nach dem EU-Türkei-Gipfel warten die Flüchtlinge in Idomeni vergeblich darauf, weiterreisen zu können

Johannes Spohr, Idomeni (mit dpa)

Sie trotzen Unwetter, Schlamm und Staub. Die Geflüchteten an der Grenze zu Mazedonien hoffen immer noch auf ein Weiterkommen auf der Balkanroute.

Symbolträchtiger hätte das Wetter an der griechisch-mazedonischen Grenze nicht sein können: Über die zu Tausenden gestrandeten Flüchtlinge in Idomeni brach am Montag sintflutartiger Regen herein. Während die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten und der Türkei in Brüssel verhandelten, durchweichten Wassermassen die Zeltlager auf Wiesen und Feldern. Und bereits für diesen Mittwoch sind weitere Schauer angekündigt. Continue reading