Zögerliche Justiz

Artikel in der Jungle World vom

Gegen zwei mutmaßlich am Massenmord in Babyn Jar im Jahr 1941 Beteiligte wurde Anzeige gestellt. Doch die Ermittlungen gegen noch lebende NS-Täter verlaufen schleppend.

 

»Also, wenn Sie mich ausfragen wollen, da haben Sie Pech. Ich habe nichts zu verbergen.« Der 95jährige Herbert Wahler wurde stur, als ihn Journalisten konkreter darauf ansprachen, was seine Einheit 1941 in der Ukraine getan hatte. Bis dahin schien er nicht ungern mit dem Team des Fernsehmagazins »Kontraste« über die Kriegszeit zu plaudern. Wahler gehörte während des Zweiten Weltkriegs einer Einheit der Waffen-SS an, die einigen Dokumenten zufolge in die Einsatzgruppe C eingegliedert war. Continue reading

»Verheerende Bilanz«: Veranstaltungen

Im November finden drei Veranstaltungen zu »Verheerende Bilanz. Der Antisemitismus der Linken« statt:

3.11. in Berlin, im Rahmen des Medienseminars »Linker Antisemitismus seit dem Sechstagekrieg«, Infos folgen demnächst

4.11. in Kiel, Alte Meierei, im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus:

Magazinpräsentation von Hannah Peaceman & Anna Schapiro:
JALTA – POSITIONEN ZUR JÜDISCHEN GEGENWART
https://www.neofelis-verlag.de/zeitschriften-reihen/jalta-positionen-zur-juedischen-gegenwart/
&
Buchvorstellung v. Wolfgang Seibert//Johannes Spohr:
VERHERRENDE BILANZ: ANTISEMITISMUS DER LINKEN
&
PODIUMSDISKUSSION
mit:
Hannah Peaceman
Anna Schapiro
Wolfgang Seibert
Johannes Spohr

29.11. in Hamburg, Jerusalem-Akademie, Infos folgen demnächst

Rezension: »Repressalien und Terror«

in Analyse & Kritik vom September 2017:

Das Ausmaß vieler NS-Verbrechen, die in den von den Deutschen besetzten Teilen Europas verübt wurden, ist bis heute kaum bekannt. Dazu zählt der im Rahmen der Bekämpfung tatsächlicher oder vermeintlicher Partisan_innen ausgeübte Terror gegen die Bevölkerung. Der Sammelband »Repressalien und Terror« vereinigt Fälle dieser »Repressalienpolitik, die in einigen Ländern genozidale Formen annahmen«, und stellt ihre Kontexte und Folgen zur Diskussion. Continue reading

Erschienen und vorgestellt: »Verheerende Bilanz«

Gerade erschienen im Neofelis Verlag:

Biografische Erfahrungen zweier jüdischer Linker

Klaus Rózsa, Jahrgang 1954, und Wolfgang Seibert, Jahrgang 1947, vereint eine aktivistische, linksradikale und jüdische Biografie, die immer wieder von Zweifeln an und Brüchen mit der Linken geprägt war und es bis heute ist. Aktiv waren sie u.a. in militanten, antiimperialistischen und antizionistischen Zusammenhängen und haben dabei auch Positionen vertreten, die sie heute vehement kritisieren. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten und ausgelöst u.a. durch Aktionen militanter Gruppen distanzierten sie sich von diesen und setzten sich kritisch in Bezug zum Weltbild des Antiimperialismus. Nichtsdestotrotz definieren sie sich heutzutage als linksradikal und aktivistisch und sind in zahlreichen Initiativen aktiv. Ihre politischen Analysen der Gegenwart beruhen auch auf ihren biografischen Erfahrungen mit verschiedenen Formen des Antisemitismus inner- und außerhalb der Linken. Dazu gehören nicht zuletzt Reflexionen über die eigenen Familiengeschichten. Continue reading

Die Sehnsucht nach der Widerspruchsfreiheit

Diskussion: Für viele Linke ist der 9. Mai vor allem ein Erinnerungsevent

Von Lukas Eichner und Johannes Spohr

Erschienen in der Analyse & Kritik vom April 2017.

»Der 9. Mai 1945 war ein Festtag: Die Wüste des Krieges endete: Doch in fast jedem von uns hatte sich eine neue Wüste aufgetan, eine Wüste, die nie grünen wird: Die Erinnerung an die Lieben.« (Ilja Ehrenburg)

Der 8. bzw. 9. Mai hat als Tag der bedingungslosen Kapitulation des NS-Regimes für Antifaschist_innen in Deutschland eine identitätsstiftende Bedeutung. Abseits der Mehrheitsgesellschaft und scheinbar antihegemonial wird der »Tag der Befreiung« mit Demonstrationen, Partys und Festen zelebriert, fast so, als habe man selbst den Sieg errungen oder könne als Antifaschist_in das legitime Erbe dieses Sieges antreten. Continue reading

Weltbilder im Wandel

Miklós Klaus Rózsa und Wolfgang Seibert sprechen über den Wandel ihrer Positionen zu Zionismus, Antisemitismus und Israel.

Vorabdruck aus »Verheerende Bilanz: Der Antisemitismus der Linken« in der Jungle World vom 14. April 2017.

Klaus Rózsa, Jahrgang 1954, und Wolfgang Seibert, Jahrgang 1947, vereint eine aktivistische, linksradikale und jüdische Biografie, die immer wieder von Zweifeln an und Brüchen mit der Linken geprägt war und ist. Ihre vehemente Kritik an einst selbst unterstützten Positionen militanter, antiimperialistischer und antizionistischer Zusammenhänge haben sie in ihren heutigen Aktivismus integriert.

Auf der Grundlage von Veranstaltungen, Interviews und Gesprächen entstand eine Textmontage, die eine Vielzahl von Themen und zugehörigen Geschichten beinhaltet. Kontextualisiert und ergänzt durch einen einleitenden Essay werden beispielhafte wie anschauliche Einblicke in Genese und Kritik dichotomer Weltbilder wie das des Antiimperialismus geliefert. Continue reading

»Lukaschenko wird sich nicht zum Demokraten entwickeln«

Gespräch mit Lars Bünger über die Proteste gegen das Regime in Belarus in der Jungle World vom 20. April 2017.

 

Lars Bünger ist Vorsitzender des Schweizer Zweigs der NGO »Libereco – Partnership for Human Rights«. Sie ist seit 2009 in Deutschland und der Schweiz tätig und setzt sich für den Schutz von Menschenrechten und Zivilgesellschaft in Belarus und der Ukraine ein. Seit 1994 führt Alexander Lukaschenko das autokratische Regime von Belarus. 2015 erließ er ein Dekret zur »Vorbeugung des Sozialschmarotzertums«, das Langzeitarbeitslosen eine Strafsteuer auferlegt. Der Stichtag für die Zahlung war der 20.Februar 2017, in dieser Zeit begannen die größten Proteste seit den Präsidentschaftswahlen 2010 (»Jungle World« 10/2017). Continue reading

»Komm und sieh« (Film-OmU) + Einführung

Veranstaltung der Interventionistischen Linken in Berlin am 14. Mai 2017.

Im Rahmen des Jahrestages zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus laden wir euch zur Filmvorführung von “Komm und sieh” (OmU) ein. Der Historiker Johannes Spohr wird eine Einführung zum historischen Kontext des Vernichtungskrieges in Weißrussland. Continue reading

»Wer nicht feiert…«

Ein Gespräch über den linken Umgang mit dem »Tag der Befreiung«

Im Mai in Leipzig und Berlin.

»Der 9. Mai 1945 war ein Festtag: Die Wüste des Krieges endete: Doch in fast jedem von uns hatte sich eine neue Wüste aufgetan, eine Wüste, die nie grünen wird: Die Erinnerung an die Lieben.«
Ilja Ehrenburg – Menschen, Jahre, Leben, Memoiren III.

Der 8. bzw. 9. Mai haben als Tag der bedingungslosen Kapitulation des NS-Regimes für Linke unterschiedlicher Couleur eine identitätsstiftende Bedeutung. Jedes Jahr auf’s Neue gibt es Demos, Partys und Feste, um den »Tag der Befreiung« zu zelebrieren, ganz nach dem Motto »Party like it`s 1945«. Continue reading