Zögerliche Justiz

Artikel in der Jungle World vom

Gegen zwei mutmaßlich am Massenmord in Babyn Jar im Jahr 1941 Beteiligte wurde Anzeige gestellt. Doch die Ermittlungen gegen noch lebende NS-Täter verlaufen schleppend.

 

»Also, wenn Sie mich ausfragen wollen, da haben Sie Pech. Ich habe nichts zu verbergen.« Der 95jährige Herbert Wahler wurde stur, als ihn Journalisten konkreter darauf ansprachen, was seine Einheit 1941 in der Ukraine getan hatte. Bis dahin schien er nicht ungern mit dem Team des Fernsehmagazins »Kontraste« über die Kriegszeit zu plaudern. Wahler gehörte während des Zweiten Weltkriegs einer Einheit der Waffen-SS an, die einigen Dokumenten zufolge in die Einsatzgruppe C eingegliedert war. Continue reading

»Nur wer sich erinnert, kann sich emanzipieren.«

Interview zu familienbiografischen NS-Recherchen und Öffentlichkeit auf dem Blog Reflections on Family History Affected by Nazi Crimes:

 

Der Historiker Johannes Spohr, Enkel eines Wehrmachtsoffiziers, und andere Nachkommen von NS-Täter_innen lesen im Rahmen der Präsentation des Sammelbands „Nationalsozialistische Täterschaften. Nachwirkungen in Gesellschaft und Familie“ am 5. April 2016 aus ihren Beiträgen vor und sprechen mit dem Herausgeber Dr. Oliver von Wrochem über ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte.*

In seinem Beitrag „Ball gegen die Auffahrt“ beschreibt Johannes Spohr die Recherche über die Taten seines Großvaters, heftige Widerstände in seiner Familie gegen seine Nachforschungen und die Erkenntnis, dass zwar manche Fragen unbeantwortet bleiben, aber dass er sich sicher sein kann, dass sein Großvater zumindest ein Opportunist gewesen ist. Continue reading

Skandal: Normalität #2

Einige Neuigkeiten zur Diskussion um die NS-Vergangenheit von Rudolf Spohr in Nordenham:

“Stadt ehrt Spohr weiterhin”, Artikel in der Kreiszeitung Wesermarsch vom 19.12.2014

“Schweigen ist nicht Gold”, Kommentar in der Kreiszeitung Wesermarsch vom 19.12.2014

“Rat hat richtig entschieden”, Leserbrief in der Kreiszeitung Wesermarsch vom 20.12.2014 und Kommentar der Redaktion hierzu.

Insgesamt vier Artikel dazu in der Nordwestzeitung.

Harmonie ohne Minen

Erschienen in der Phase 2 #49, Herbst 2014:

Zur Erinnerung an den Nationalsozialismus im familiären Gedächtnis

»Die ganze Zeit quatscht er vom Krieg, vom Don und von der Wolga. Jeden Tag erzählt er mir wie toll es in der Wehrmacht war. Opa, halt’s Maul!« (Terrorgruppe – Opa halt’s Maul!).

Der Text der Fun-Punkband Terrorgruppe, erschienen 1996 auf dem Album »Melodien für Milliarden«, zeigt zwei Punkte auf, die ich in diesem Text verdeutlichen will: Die Täter_innen haben nicht per se geschwiegen, und: Seit Erscheinen des Songs hat sich einiges getan. Scheinbar befindet sich der gesellschaftliche Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus in den Familien in einem Wandel. Continue reading

»Nazi-V-Leute manipulieren den Verfassungsschutz«

Interview mit Hans-Christian Ströbele für Der Rechte Rand.

Hans-Christian Ströbele, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Partei »Bündnis 90/Die Grünen«, ist im Bundestag unter anderem Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums für Geheimdienste, das sich anlassbezogen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auch mit Nazi-V-Leuten beschäftigt hat. Herr Ströbele ist darin als langjähriger Kritiker des Verfassungsschutzes bekannt; nicht erst seit dem NSU-Prozess fordert er die Abschaffung des V-Leute-Systems. Continue reading

Skandal: Normalität

Ein Artikel zur NS-Vergangenheit von Rudolf Spohr hat in der Stadt Nordenham (Landkreis Wesermarsch, Niedersachsen) Staub aufgewirbelt und für Diskussionen gesorgt. Gehen die meisten bisherigen Beiträge auch an den eigentlich interessanten Fragen vorbei, sei hier mal dokumentiert, was bisher geschah. Continue reading

Die späte Suche nach der Wahrheit

NS-Täterforschung in der eigenen Familie. Reportage im Deutschlandradio Kultur von Sabine Voss

Oft sind es “Dachbodenfunde”, die Auslöser sind für die späte Suche nach der Wahrheit, die so lange verschwiegen wurde: Die Tätergeneration verstirbt, und die Nachkommen stoßen beim Durchstöbern und Sortieren der Hinterlassenschaften auf Fotos, Briefe, auch offizielle Dokumente, die Uniform im Schrank. Continue reading

Die Friedhöfe von Saritschani

Auf den Spuren der deutschen Besatzer im damaligen »Reichskommissariat Ukraine«.

Reportage in der Konkret 2/2014

von Johannes Spohr

Die Ukraine ist eines der Länder, in denen die nationalsozialistischen Besatzer besonders tiefe Spuren hinterlassen haben. In Deutschland interessieren sich dafür allerdings bis heute nur sehr wenige. Die West- und die Zentral-Ukraine wurden während der Zeit der Deutschen Besatzung von 1941 bis 1945 zum »Reichskommissariat Ukraine«, in dem die Siedlungspolitik, die sogenannte Germanisierung, wie auch die Vernichtung der Juden zu den Hauptzielen der Nazis gehörten. Continue reading