Gedenkorte und die Fontäne von Winnyzja

Artikel im Neuen Deutschland vom 13. Juni:

Die Stadt scheint fast vergessen zu machen, dass die Ukraine unruhige Zeiten durchlebt

Dem äußeren Anschein nach zeigt sich die ukrainische Gebietshauptstadt Winnyzja von den Ereignissen im Lande nahezu unbeeindruckt.

Von Johannes Spohr

Glühende Zigarettenstummel fliegen im 20-sekündigen-Abstand von den Balkonen des Hauses der Gewerkschaften des Gebiets Winnyzja in die Nacht. Der Rasen, auf dem sie landen, ist noch nass von einem heftigen Gewitter, das jeden Nachmittag wiederzukehren scheint. Nachdem in den letzten Monaten Gewerkschaftsgebäude in Kiew und Odessa gebrannt haben, kann ich zunächst ein leicht mulmiges Gefühl aufgrund dieser Unterkunft nicht ganz verdrängen. Doch in Winnyzja gibt es diesbezüglich kaum Anlass zur Sorge. Continue reading

“Habt doch keine Angst – Wir wollen nur auf die Toilette”

Der Maidan, die Präsidentschaftswahl und das Zusammenleben in einem zerrissenen Land – Stimmen aus der Ukraine

Interview auf Radio Dreyeckland

Während im Osten der Ukraine die Militäroperation weiter läuft, ist auf dem Majdan Ruhe eingekehrt, man wartet die Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag ab. Johannes und Darius aus Berlin haben Ljuba Sotschka in Kiev getroffen und mit ihr über die gegenwärtige Situation und die anstehenden Wahlen gesprochen. Sie arbeitet für die Stiftung „Verständigung und Toleranz“, die sich um Entschädigungszahlungen an NS-Opfer in der Ukraine kümmert und hat sich aktiv an den Protesten auf dem Majdan beteiligt.

Feierabend

In der Ukraine munkelt man, am Sonntag werde ein neuer Präsident gewählt. Im Osten des Landes wissen viele nicht, wie sie sich daran beteiligen sollen. Über 50.000 eingesetzte Polizisten werden weder an der Entschlossenheit der Seperatisten noch an der Gewissheit über ein Fortleben der Oligarchenherrschaft etwas ändern. Die Ruhe zwischen den Wahlzelten gibt zu erkennen, dass bedeutende Entscheidungen abseits der Urnen getroffen werden. Petro Poroshenko wird aller Voraussicht derjenige sein, der diesem Zustand ein Gesicht verleiht.

Feierabend für den Maidan. Kyjiw, Mai 2014.

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Vote as if your life depends on it!

Blogbeitrag für wem gehört die welt?

Tel Aviv. In einer Woche, am 22. Januar, wird in Israel die 19. Knesset gewählt. Die Wahl-Maschinerie läuft seit Wochen heiss: TV-Duelle, Youtube-Clips, Wahlplakate entlang aller Ausfallstraßen und Highways. Jede Woche geht es vorwärts und rückwärts mit Blockbildungen, Skandälchen, Propaganda-Theaterstücken. Benyamin Netanjahu setzt auf die Hardliner-Karte – Bibi, der den Erfolg des Zauns an der ägyptischen Grenze preist, Bibi, der abgelegene Settlements in der Westbank nach Wählerstimmen abgrast, Bibi, der im Edel-Tanzclub jugendliche Neureiche vom DJ-Pult aus dazu auffordert, ihn zu wählen, um unter allen Umständen zu verhindern, dass es eine linke Regierung gibt. Continue reading

Seperatismus light

Artikel in der Jungle World vom 13. September 2012.

Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet, und sie selbst wohl am allerwenigsten: Pauline Marois, die Vorsitzende der Parti Québécois (PQ), die aus den Parlamentswahlen in der kanadischen Provinz Québec am Dienstag vergangener Woche als eindeutige Siegerin hervorging, hielt gerade ihre Siegesrede, als Schüsse fielen. Der »Befreiungskampf light« der linksliberalen separatistischen Partei wurde mit einer überraschend drastischen Version des bisher eher moderaten »Québec-Bashing« konfrontiert. Continue reading