Eine Utopie für die Gesundheitsversorgung

In einem Kiez-Gesundheits-Zentrum wollen Berliner Kollektivist_innen die Gesundheitsversorgung politisieren

veröffentlicht in analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 617 / 21.6.2016

Eine sehr lebendige Auftaktveranstaltung zur Idee eines geplanten Kiez-Gesundheits-Zentrums hat das Gesundheitskollektiv Berlin am 26. April 2016 erlebt. Etwa 150 Menschen waren der Einladung der Gruppe in das Jugendzentrum Manege im Berliner Stadtteil Neukölln gefolgt. Als Einstieg in ihre Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt hatten die Kollektivist_innen das Motto »Recht auf Stadt, Recht auf Gesundheit« gewählt und damit direkt auf den gesellschaftspolitischen Zusammenhang verwiesen, in dem sie die Idee des Zentrums ansiedeln: Bei Gesundheit handelt es sich um mehr als medizinische Versorgung – entscheidend sind die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen wir leben, politische und soziale Faktoren wie Mietsteigerungen, geringes Einkommen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Rassismus und Alltagsarmut. Continue reading

“Hauptsache nicht zu Russland”

Reportage in der Jungle World vom 18. Juni 2015:

Die Ukraine befindet sich am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Bereits jetzt können viele Menschen, insbesondere auf dem Land, ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten, unabhängig davon, ob sie Arbeit haben oder nicht. Eine Reportage über die soziale Lage am Rande des Kampfgebiets.

von Johannes Spohr

Am 20. Mai 2015 wurde ein Mann in Odessa vor dem zentralen Markt Priwos von einer Spezial­einheit der Miliz überwältigt und verhaftet. Eine Bombenattrappe und eine Luftpistole wurden ­sichergestellt. Der Festgenommene hatte vorher in einer Apotheke zwei Geiseln genommen. Gerüchten zufolge war seine Motivation, Geld für seine krebskranke Mutter zu erbeuten.

Abseits der Frage, ob Gerücht und Wahrheit in diesem Fall übereinstimmen, verwundern derartige Taten angesichts der sozialen und ökonomischen Lage in der Ukraine kaum noch. Continue reading

Gut beraten gegen das Gesetz

Artikel in der Jungle World vom 25.7.2013:

In Barcelona organisiert das »Büro für Besetzung« Häuserbesetzungen. Noch immer gibt es in Spanien viele Zwangsräumungen aufgrund der Krise.

von Johannes Spohr

In den südeuropäischen Krisenländern finden der­zeit nicht nur Massenprotesten und Streiks statt, auch neue Ansätze der Selbstorganisation und der Aneignung werden entwickelt. So gibt es viele neue besetzte und selbstverwaltete Betriebe, Kooperativen, Kindergärten und soziale Zentren. Continue reading

Umverteilung nach unten

geschrieben für wem gehört die welt?

Am vergangenen Dienstag wurde der neue Haushalt von Israels neugewähltem Finanzminister Yair Lapid (Yesh Atid/Es gibt eine Zukunft) im Kabinett verabschiedet. Der Entwurf setzt die neoliberale Kürzungslogik der vergangenen Jahre unverändert fort. Lapids Änderungsversprechen hinsichtlich der wirtschaftlichen Krise sind als Wahlkampftaktik entlarvt. Continue reading

Friede der Finca!

Reportage in der Jungle World vom 12.4.2012:

Ein Besuch in der besetzten Finca Somontes in Andalusien. Arbeitslose Landarbeiter wollen sich dort eine Perspektive für ihr Leben schaffen und gegen die geplante Privatisierung der landwirtschaftlichen Nutzflächen protestieren.

von Jette Groß und Johannes Spohr

»Nur ein Haufen Papier!« Unser Beifahrer Felipe ist sich sicher, dass ihm der Antrag auf Arbeitslosengeld nicht weiterhelfen wird. Der 30jährige gehört inzwischen zur Mehrheit der jungen Leute in Andalusien, 30 Prozent sind dort ohne Lohnarbeit sind. »Wenn ich vorher länger gearbeitet hätte oder Kinder hätte, würde ich mehr bekommen, aber so ist es vollkommen sinnlos«, sagt er, legt den Haufen Papier beiseite und greift zu einem Buch über »soziale Rebellen« in Andalusien. Javier, unser Fahrer, kommt mit einem Arm voller Weißbrote vom Bäcker zurück, setzt den Motor wieder in Gang und die Fahrt über holprige, steinige Wege fort. Wir sind auf dem Weg zur Finca Somontes in der Region Córdoba. Continue reading