Angekündigt: »Isolation und Ausgrenzung als post/sowjetische Erfahrung«

Erscheint im März 2016 bei edition assemblage:

Luca Bublik / Johannes Spohr / Valerie Waldow (Hg.)
Isolation und Ausgrenzung als post/sowjetische Erfahrung
Trauerarbeit. Störung. Fluchtlinien
Broschur, 140 x 205 mm
128 Seiten, 12.80 Euro
ISBN 978-3-96042-005-7 | WG 973
Neuerscheinung März 2016

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Wer sich einer gesellschaftlichen Situation nähern will, sollte sich die Lage derer vergegenwärtigen, denen die Teilnahme an ihr untersagt wird. Continue reading

“Hauptsache nicht zu Russland”

Reportage in der Jungle World vom 18. Juni 2015:

Die Ukraine befindet sich am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Bereits jetzt können viele Menschen, insbesondere auf dem Land, ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten, unabhängig davon, ob sie Arbeit haben oder nicht. Eine Reportage über die soziale Lage am Rande des Kampfgebiets.

von Johannes Spohr

Am 20. Mai 2015 wurde ein Mann in Odessa vor dem zentralen Markt Priwos von einer Spezial­einheit der Miliz überwältigt und verhaftet. Eine Bombenattrappe und eine Luftpistole wurden ­sichergestellt. Der Festgenommene hatte vorher in einer Apotheke zwei Geiseln genommen. Gerüchten zufolge war seine Motivation, Geld für seine krebskranke Mutter zu erbeuten.

Abseits der Frage, ob Gerücht und Wahrheit in diesem Fall übereinstimmen, verwundern derartige Taten angesichts der sozialen und ökonomischen Lage in der Ukraine kaum noch. Continue reading

Agenten wider Willen

Artikel in der Jungle World vom 30.4.2015:

Mittlerweile gelten der russischen Regierung auch unabhängige Forschungeinrichtungen als verdächtig.

von Johannes Spohr

NGOs in Russland können sich immer weniger um ihre eigentlichen Aufgaben kümmern. Viele wurden von staatlichen Behörden als »ausländische Agenten« klassifiziert; wer davon betroffen ist, muss mit Maßnahmen rechnen, die ein effektives Arbeiten fast unmöglich machen. Seit März wurden Hunderte NGOs überprüft, darunter Menschenrechts- und Umweltgruppen sowie Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge. Untersucht wird, ob deren Aktivitäten »politisch« sind. Wer Geld aus dem Ausland erhält, kann als »ausländischer Agent« bezeichnet werden. Continue reading

“Patriotismus ist zur Mode geworden”

Reportage in der Jungle World vom 12.2.2015:

Viele ukrainische »Patrioten« verstehen sich nicht als Rechte, sondern als Verfechter der ukrainischen Nation. Vor allem der Kampf gegen die Korruption sei ihnen wichtig, sagen sie. Ein Besuch in Odessa.

von Johannes Spohr

Ein Knall. Die Situation ist vielleicht zu offensichtlich, um als das erkannt zu werden, was sie ist: ein Bombenanschlag. Die zwei Soldaten in Camouflage, die noch zwischen den üblichen fünf Fernsehern einer Bar im Zentrum Odessas Bier trinken, springen hoch und anschließend auf die Straße. Einer von ihnen trägt ein Emblem des Bataillon Asow, einer im Zuge der Ukraine-Krise gegründeten rechtsextremen Miliz. Continue reading

Agent wider Willen

Artikel in der Jungle World vom 27.11.2014:

Im russischen Murmansk wurde eine NGO als »ausländischer Agent« eingestuft. Damit droht ihrer Arbeit das Aus.

von Johannes Spohr

»Ausländischer Agent« – nach dem Willen der Murmansker Staatsanwaltschaft soll die Humanistische Jugendbewegung (GDM) die erste Organisation im Gebiet Murmansk sein, die durch eine erzwungene Regis­trierung beim Justizministerium stigmatisiert wird. Das zuständige Gericht gab der Staatsan­waltschaft in einem Urteil vom 12. November recht und setzte sich damit auch gegen das Justizministerium durch. Dieses ist die eigentlich zuständige Behörde für die Überprüfung von NGOs, es hatte bei einer Prüfung im Frühjahr keine Veranlassung gesehen, gegen GDM vorzugehen. Continue reading

“Für rassistische Täter herrscht nahezu Straflosigkeit”

Interview in der Jungle World vom 27.11.2014:

Anastasia Denisova aus Moskau arbeitet in der NGO Civic Assistance Committee (CAC), die seit 1990 vor allem Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten unterstützt. Vor kurzem war sie Referentin in Berlin, bei einer Veranstaltung von der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« zum Umgang von Gesellschaft und Staat mit rassistischer Gewalt. Mit ihr sprach die Jungle World über die Zunahme rassistischer Übergriffe in Russland. Continue reading

eisfrei. незамерзающий.

Erschienen im Read Magazin #21, Juli/ August 2014:

von Johannes Spohr

London calling, yes, I was there, too
An’ you know what they said? Well, some of it was true!“

The Clash – London Calling

 

Der größte Matrose in Murmansk steht hoch über der Stadt. Der 39 Meter hohe Aljoscha erinnert, gewärmt von einer „ewigen Flamme“, an die Kämpfer der Arktis und soll die Heldenstadt vor Feinden bewahren. Sein Blick richtet er nicht nur Richtung Finnland, er schielt gleichzeitig auf einen Ort, den aufzufinden mehrere Tage dauert. Die Matrosenbar, es musste sie geben in einer Hafenstadt voller Kräne und Möwen – so meine feste Annahme. Von dieser nicht abzurücken zahlte sich nun aus, handelt es sich doch bei Murmansk nicht nur um einen Ort, dessen Existenz genauso wie Realität in dichtem Austausch mit zahlreichen Mythen steht, sondern – wie ich nun lernen soll – gleichzeitig ein Paradies der Entlarvung falscher Annahmen über die Pola-Region1 ist. Continue reading

Kidnapping became common

Erschienen im Read Magazin #21, Juli/ August 2014:

 von Johannes Spohr

Anna Makarenkova aus Donetsk arbeitet in einer NGO und möchte aus Sicherheitsgründen anonym bleiben. Sie hat sich intensiv mit der Geschichte ihres Großvaters beschäftigt, der zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde und ein Konzentrationslager überlebt hat.

Eingestreut sind Exzerpte eines Chats mit Anna Makarenkova nach meiner Rückkehr nach Deutschland.

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